DW Planet A: Why Sweden is light-years ahead on climate
Schweden nimmt Klimapolitik ernst.
Die Zahlen
Von 1990–2022 hat Schweden seine inländischen Treibhausgas-Emissionen laut Video um 80% reduziert. (Laut OWID allerdings nur um 50% beim CO₂ bzw. fast nicht über alle Treibhausgase; ausserdem sieht die Kurve nicht so anders aus als die der EU oder der Schweiz. Der Unterschied kommt wohl von Land use, also den vielen Wäldern, die als Kohlenstoffsenken dienen.)
In derselben Zeit wuchs die Wirtschaftsleistung auf das Doppelte, sie ist also davon entkoppelt. Und das, obwohl Schweden Schwerindustrie hat – Stahl verursacht 10% der Emissionen, und auch Zement und Autos werden produziert.
Der Plan
Interessanter als die nackten Zahlen ist, wie Schweden das gemacht hat: Durch Industriepolitik, Lenkungsabgaben und Umbau der Infrastruktur.
Die Stromproduktion basiert auf Wasser (40%), AKWs (30%, gebaut in den 70er-Jahren) und Windenergie (25%), die seit 2010 kräftig ausgebaut wurde. Fossile: Rund 0%.
Beim Heizen wurden schon vor Jahrzehnten erste Anstrengungen zur Dekarbonisierung unternommen – einerseits sind Wärmepumpen sehr verbreitet, andererseits wurden grosse Wärmenetze gebaut, die unterdessen fast gänzlich ohne Fossile betrieben werden. Der grosse Vorteil von Wärmenetzen: Sie können durch einen zentralen Eingriff auf nachhaltige Energien umgestellt werden. Dafür wird auch mal ein Höhlensystem, das zuvor als Öllager diente, mit Heisswasser geflutet. Ausserdem wurden schon in der 1970ern die Anforderungen an die Isolation erhöht.
Nicht richtig vorwärts oder sogar rückwärts geht’s in der Landwirtschaft und beim Verkehr. Elektroautos wurden lange durch Umlagen von Fossilen finanziert – die bürgerliche Regierung hat diesen Klimatbonus aber 2022 gestrichen. Die Anforderungen an den Anteil an Biosprit, der dem Benizin zugemischt wird, wurde ebenfalls gesenkt (wobei dieser teure Weg zu mehr Nachhaltigkeit m.E. langfristig durch Elektromobilität eh obsolet wird).
Fazit
Auch wenn Schweden nicht das Klimaparadies ist, als das es im Video dargestellt wird, kann es in einigen Sektoren beeindruckende Resultate vorweisen. Det går an. Es geht, wenn man will. Interessante Punkte zum Vorgehen:
- Es herrscht(e) unter den Parteien ein recht grosser Konsens über den beschrittenen Weg (allerdings lassen sich die vormals in Klimafragen etwas stablieren Bürgerlichen als anderswo nun auch in Schweden von den Rechtspopulisten vor sich her treiben).
- Der Staat schuf klare Bedingungen, so dass Investitionen sich lohnten, und bezog die Privatwirtschaft in die Planung ein.
- Die Lenkungsabgaben (carbon tax) laufen nicht übers Staatsbudget, damit sie nicht ständig dem Risiko unterliegen, zur politischen Manövriermasse zu werden.