Weniger Öl, weniger Krieg

What On Earth: Will we ever stop fighting over oil?

Interview mit dem Politologen und Prof für internationale Beziehungen und Klimafragen Jeff Colgan vor dem Hintergrund des Angriffs der USA auf Venezuela über den Zusammenhang von Krieg und Fossilen – und ob die Transition zu erneuerbaren Energien einen Unterschied macht.

Öl schürt Konflikte

Kriege, bei denen Öl eine Rolle spielte, wurden fast in jedem Jahrzehnt ausgetragen:

  • 1950er im Iran und um den Suez-Kanal
  • 1960er in Biafra/Nigeria
  • 1980er Iran-Irak-Krieg
  • 1990er Golfkrieg in Kuwait
  • 2000 Irakkrieg
  • etc. pp.

Statistisch ist eine Korrelation von Krieg und Öl feststellbar (Min.2):

The countries that have a lot of oil statistically get into interstate conflict about 50% more than non-petrostates.

Dies aufgrund von Angriffen, aber auch weil viel Ölgeld die Innenpolitik auf eine Art beeinflusse, die "autoritäre Diebe" anziehe.

Öl schafft Abhängigkeit

Die Konflikte, welche die Ölextraktion oft begleiten, wirken sich auch Negativ auf Öl-Konsumierende (bzw. Volkswirtschaften mit hohem Konsum) aus: Das Riesengeschäft mit Öl führt oft zu Seilschaften zwischen Firmenbossen und politischen Machthabern, daraus werden Kartelle und Oligopole, und das treibt den Preis hoch. Wer abhängig ist, ist dem ausgesetzt.

Länder, die viel fossile Energie konsumieren, aber auch in die Produktion involviert sind, stehen vor einem Interessenkonflikt: Konsument:innen wollen stabile, tiefe Preise (was auch die Volkswirtschaft ölt, tschuldigung Flachwitz); die produzierende Industrie will hohe Margen. Die USA habe seit 50–60 Jahren "Petrokonsumismus" höher gewichtet als "Petroimperialismus" – also Stabilität und tiefe Margen möglichst hohen Profiten vorgezogen (Min. 10–12).

Diese wirtschaftliche Abwägung wird nun in Frage gestellt, aber was bleibt, ist die Abhängigkeit.

Auftritt Erneuerbare

Länder und Regionen mit von Öl abhängiger Industrie sind nicht begeistert von der Transition zu Erneuerbaren – so etwa Alberta in Kanada. Genau, Abhängigkeit.

Aber die grüne Transition hat immense Vorteile: Neben dem vernachlässigbaren Faktum, dass die Welt dabei potenziell nicht zugrunde geht, macht sie die Welt auch friedlicher. – Oder?

Einwand 1: Auf Importe sind wir ja trotzdem angewiesen! Die Produktion von grüner Energie braucht natürlich auch Ressourcen und Gerätschaften. Aber deren Bereitstellung ist weniger zeitkritisch. Ölnachschub ist ständig vonnöten – nachhaltige Infrastruktur hält einige Jahre bis Jahrzehnte. Wenn mal ein Jahr keine Solarpanels zu kaufen sind, ist das nicht so tragisch, wie wenn ein Jahr kein Öl fliesst. Dadurch ist viel weniger Konfliktpotenzial mit Nachhaltiger Energie verknüpft (Min. 17).

Einwand 2: Und die Rohstoffe? Lithium, Nickel, seltene Erden? Das ist doch genau gleich problematisch! Colgan sieht insgesamt ein viel kleineres Konfliktpotenzial (Min. 20):

The problems associated with conflict minerals are real in certain places like the Congo, but they’re on a much lower scale than what is often trumpeted in the media.

Fazit: Weniger Öl, weniger Krieg.

Öl schafft und bedient Abhängigkeit und konstante Nachfrage auf der einen Seite und riesige Profite auf der anderen. Der Ausbau Erneuerbarer ist Infrastruktur, die Unabhängigkeit bringt. Windräder, Wasserkraftwerke und PV-Anlagen brauchen keinen Brennstoff. Verbraucht die Welt weniger Fossile, sinkt das Konfliktpotenzial.

Öl muss zwar nicht mit Krieg einhergehen – aber die Chancen, dass es dazu führt, sind viel höher als bei Erneuerbaren (Min. 19):

Cancer is never entirely about smoking. But it doesn’t mean that smoking isn’t bad for you. If you stop smoking, your chances of getting cancer are a lot lower. It’s the same thing with fossil fuels: If you take away a set of materials that are known to be generating incredible amounts of concentrated wealth, which people tend to fight over, then you’re going to reduce the conflict’s propensity and the probability.

Kim   •   2.2.2026