Technology Connections: You are being misled about renewable energy technology.
Jaja, wir wissens: Photovoltaik (PV) ist sehr, sehr, sehr cool (und Windräder auch). Alec Watson erklärt’s nochmals für alle, denen noch nicht klar ist warum. Und warum die Einwände dagegen Banane sind. 🦧
PV produziert Energie ohne laufende Kosten.
Eine Gas- oder Ölheizung, ein Benzin- oder Diesel-Gefährt verbrennen für jedes Grad Wärme und jeden zurückgelegten Kilometer schwarzbraune Sauce aus verrotteten Pflanzen, die wir aus der Erde gepumpt haben. Danach ist die Sauce weg und es muss neue her.
Ganz anders PV und Windanlagen:
Solar power allows us to harvest energy, not extract it. (7:30)
Nach der initialen Investition sind keine aktiv hinzugefügten Zutaten mehr vonnöten. Wenn das Wetter wettert, fliesst Strom. Die Frage ist also nur, ob die initiale Investition in puncto Ressourcenverbrauch, Umweltbelastung und Kosten sinnvoll ist. Spoiler: Ja, um ein Vielfaches.
PV braucht Rohstoffe, verbraucht sie aber nicht.
Weil die benötigten Rohstoffe nicht als Energielieferant verbrannt werden, sondern nur verbaut, können sie potenziell am Lebensende recycliert werden.
Einwand: Jaja klar! Recycliert, ha! Ich weiss doch, wie das läuft!
Kann man natürlich denken, aber man sollte auch bedenken: Ein PV-Modul ist ziemlich primitiv. Es besteht zu einem grossen Teil aus Materialien, in die wir unser Essen einpacken: Glas (~70%) und Aluminium (~10%). Und dann recyclen wir sie.
Dazu kommt ~15% Silizium. Das ist so Zeug aus Steinen, nicht toxischer als Glas oder Alu. Dazu noch mehr total abgefahrener Scheiss wie Plastik oder Kupfer,
Für Batterien, Besterfreund™ von Elektrifizierung und mit schlechtem Ruf behaftet, gilt Ähnliches: Ein Grossteil ist Graphit (sprich: Bleistiftmine), Alu und Kupfer. Etwa ein Viertel sind Kobalt, Nickel, Mangan, Lithium. Etwas delikater, zugegeben – aber auch die sind am Lebensende nicht verloren, sondern können zumindest Teilweise zurückgewonnen werden und bleiben im Materialkreislauf (anders als Fossile, die, ich sags nochmals, verbrannt werden und weg sind nach der Nutzung). Das passiert vor allem deshalb noch nicht, weil die bisher produzierten (grossen) Batterien noch im Einsatz sind. Ausserdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass unproblematischere Batteriematerialen die umweltschädlichen ersetzen.
PV ist effizient und billig.
Man kann tausend Berechnungen anstellen, die alle darauf hinauslaufen: PV ist ein No-Brainer. Ein Gedankenspiel aus dem Video:
- 12 Solarpanele reichen, um ein Auto im Dezember zu betreiben.
- In der Anschaffung sind die Panele mittlerweile stinkbillig. Für den Preis, für den man 1 Jahr Verrottete-Pflanzen-Schlacke ins Verbrennerchen tankt, kriegt man schon ebendiese 12 Module (~2000$).
- Die kann man auf ein Dach montieren lassen und mit einer Batterie verbinden, was cool ist weil unabhängig und dezentral, aber das hat seinen Preis (den man aber immer noch locker rausholt über die Laufzeit). Man könnte sie aber auch einfach auf ein Feld stellen, was die Kosten pro Modul erheblich senkt. Aber… da wächst doch unser Essen!?
PV braucht Platz, aber nutzt ihn sehr effizient.
In den USA (und anderen Ländern) wird Ethanol aus Mais produziert, was dann Benzin beigemischt wird. Das ist völlig bescheuert, denn:
- Auf derselben Fläche könnte man etwa 35x so viel nutzbare Energie produzieren mit PV. (35:30)
- Würden alle zur Ethanolproduktion beanspruchten Flächen in der USA mit Solarmodulen vollgestellt, würde nur damit fast das Doppelte der momentanen Elektrizität produziert.
Der Einwand, dass Photovoltaik sooooo viel Platz brauche, ist also eine Frage davon, womit man es vergleicht. Wenn man alle Absurditäten, für die wir den Platz im Moment brauchen, nicht hinterfragt, bleibt: Das braucht mehr Platz. Aber wir könnten ja ein paar davon überdenken?
PV ist ein guter Einstieg für Rants!
Und weil sich auch Alec Watson einen politischen Rant zum Abschluss erlaubt (den zu Hören mich gefreut hat, Widerrede braucht das Land), noch ein Nachtrag zum angeblichen Platzproblem. Grundsätzlich ja richtig, gerade wenn man bedenkt, dass andere Länder dichter besiedelt sind als die USA (die Schweiz z.B. um Faktor 6½). Aber es gibt da noch ein paar Stellschrauben:
- Fleischproduktion benötigt ein Vielfaches der Landfläche von Gemüse. Weniger Essensluxus könnte viel Fläche freispielen.
- Windräder produzieren viel mehr Energie pro Fläche als PV. In der Schweiz und Deutschland scheitern sie oft an Reinheitsvorstellungen, die nicht an andere Energielieferanten gestellt werden (zu laut, tote Vögel, Landschaftsbild).
- PV kann auf sonst nicht nutzbaren Flächen (Dächer, Agri-PV, Parkplätze, Kläranlagen etc.) installiert werden – das kostet einfach etwas mehr. Nicht so viel, dass es sich nicht lohnen würde, aber so viel, dass es sich weniger lohnt als auf freiem Feld. Doch das Geld fliesst dahin, wo es sich am meisten lohnt, das ist die Logik (oder: der Preis) der Marktwirtschaft. Um diese auszubügeln, gibt es Mittel (Förderungen, Vorschriften), doch für deren Einsatz braucht es politischen Willen.
PV verdient ein fucking fantastisches Fazit 🤩
Die Kritik an Solar und Wind ist oft extrem selektiv – die Vögel, das Lithium, die Gemüsefelder – aber der Gegner ist immer die reine Natur und die magisch genau wie heute aussehende Welt ohne die Nachteile der heutigen Welt (Realitätscheck: Vögel fliegen in Scheiben und werden von Katzen getötet; Lithium ist auch nicht übler als Uran-, Kohle- oder Ölextraktion und bleibt danach im Kreislauf; viel zu viele pestizid- und düngergedopte Mais-Monokulturen produzieren Ethanol und Tierfutter), nie aber die faktische Alternative (Fossile weiterlaufen lassen und die Welt verheizen).
Plan A schlechtreden und Plan B als leider undurchsetzbar bezeichnen, während man nichts für ihn tut und alles, um ihn zu verhindern, ist das Spiel der Saboteure (mit lieben Grüssen an die Parlamente der Welt). PV ist dagegen die energielegende Hafermilchsau, Unosiedlerschach, ein Spiel für alle, grossartige Zukunft inklusive: Einmal bauen, 25 Jahre Energie ernten.
Skepsis ist zwar geil, aber wenn jemand an deiner Tür klingelt mit Unosiedlerschach unterm Arm und einem veganen Dreigänger unterm anderen und noch einen Gutschein für eine bessere Zukunft drauflegt, dann ist nicht Zeit für Skepsis, sondern um die Tür aufzumachen.