Volts: The big stories from the last year in electricity über den Global Electricity Review 2026 von Ember
Wieder einer aus der Abteilung Linien zeichnen und Solar rettet uns. Wem das zu viel Optimismus ist (was erlaube Stromz! 😡), darf gern weiter auf alles fokussieren, was schief läuft. Gibt’s noch zuhauf, ja.
#Zuwachs wird durch Solar und Wind abgedeckt
Es geht um Stromerzeugung, die bekanntermassen nur einen Bruchteil des Energieverbrauchs abdeckt (der aber mit der Elektrifizierung wächst 🤞).
Die Ember-Leute sehen uns an einem Punkt, wo die strukturellen Voraussetzungen sich total verändert haben verglichen mit vor zwanzig, zehn oder auch nur fünf Jahren. Der Grund: Photovoltaik ist extrem attraktiv (schnell gebaut, billig, wartungsarm, Unabhängigkeit schaffend) und in Kombi mit Batterien, die den Mittags-Peak auf den Abend verteilen können, preislich fast nicht mehr zu schlagen.
Fast der ganze Zuwachs an Stromproduktion (99%) wurde 2025 durch Solar (75%) und Wind (24%) abgedeckt. Fossile spielen beim Zubau schlicht keine Rolle mehr (Min. 33):
We are running out of countries that are going to significantly grow their fossil generation.
Am Rande: Dunkelflauten sind geografisch nur ein Problem in 10% der Welt. 90% der Welt sind davon nicht betroffen (Min. 21).
#Ersatz oder Zusatz?
Fossile stagnieren. Die Stromproduktion (!) aus Fossilen (Gas, Kohle, Diesel) bleibt im System, wächst jedoch nicht mehr. Das ist nicht supertoll, aber supertoller als Zubau.
Zu wünschen wäre natürlich ein schneller Ersatz von Fossilen, nicht nur zusätzliche Erneuerbare. Dass Erneuerbare Fossile ersetzen, ist noch nicht abzusehen. Aber es gibt auch Positives zu vermelden:
Bis 2035 sagen die Modelle™ einen (absoluten!) Rückgang um 10–20% voraus – immerhin. (Disclaimer natürlich: Szenarien sind Szenarien. Sie können unter- oder übertroffen werden.)
In einzelnen Ländern sind jetzt schon Ersatzbewegungen sichtbar (Brasilien, China, EU) – meist politisch unterstützt (durch Subventionen, CO₂-Bepreisung etc.).
Das Argument "Bis jetzt ist seit Holz jede Energiequelle im System geblieben und neuere sind hinzugekommen" greift so nicht – Holz ist Energiequelle und -träger; wo aus Fossilen Strom gemacht wird, haben Erneuerbare ein leichtes Spiel, weil die Übertragungsform nicht ändert: Strom ist Strom.
Die ganz Optimstischen dürfen sich ausmalen, dass die Vorteile von grüner Stromproduktion so gross sind, dass es einmal einen Kipppunkt in einem oder mehreren Systemen (Politik, Infrastruktur, Wirtschaft) geben könnte, das den Ersatz von Fossilen (Abhängigkeit! Transport! Infrastruktur!) als attraktive Option erscheinen lässt ("Müssen wir jetzt wirklich dafür die ganzen Gasleitungen weiter betreiben?").
#Indien ist nicht China
"Aber Indien!" ist das neue "aber China!" – und es ist genauso verkürzt bis falsch.
In den 2000ern, als China die Stromproduktion massiv auszubauen begann, wurde das noch zu einem grossen Teil mit Fossilen (Kohle) bewerkstelligt. Unterdessen ist China aber wie der Rest der Welt auf Fossil-Nullausbau eingeschwenkt.
Es ist extrem unwahrscheinlich, dass Indien den Pfad von China nehmen wird – er ist heute nicht mehr attraktiv. Zudem hat sich Indien bereits auf den Solarpfad begeben, das es gerade massiv zubaut und parallel auch eine eine eigene Panel-Industrie aufbauen will.
#Fazit: Dynamik und positive Kipppunkte
Wir stehen an einem Punkt, wo sich der Energiesektor stark wandelt. Treiber sind die nun billig vorhandenen Technologien (v.a. PV und Batterien), wo weiter eine hohe Dynamik herrscht und gerade einiges ins Rutschen bringt:
- Die PV-Wachstumsrate überrascht mit immer neuen Rekorden: 2025 war mit ca. 20% mehr Zubau als 2024 das beste Jahr seit 8 Jahren.
- Viele ganz unterschiedliche Länder und Gegenden springen gerade auf – z.B. Pakistan oder Ungarn, aber auch die USA oder Indonesien, die arabische Halbinsel und afrikanische Länder. Indien baut eine eigene Solarpanel-Produktion auf.
Es ist schwer zu sehen, wie das wieder rückgängig gemacht werden kann. Die Dynamik hält an – beim Zubau, bei umschwenkenden Ländern, beim Preiszerfall.
Kommt dazu: In der kriselnden Welt ist Unabhängigkeit Trumpf, und das bieten weder Fossile noch AKWs.