Drei mit einer Klappe

Montage basierend auf Fotos von Thomas Hawk (Lizenz: CC BY-NC 2.0) und 10 10 (Lizenz: CC BY 2.0)
Die Dekarbonisierung wirkt dreifach positiv: Sie nützt der Umwelt, sie schadet Autokraten und sie macht die Energieversorgung unabhängiger.
(Im Endeffekt ist erneuerbare Energie auch billiger (weil nicht auf ständigen Input angewiesen), was natürlich zu begrüssen ist und der Energiewende zum Durchbruch verhelfen wird. Aber Wirtschaftlichkeit ist ein moving target und kann nicht einziges Kriterium dafür sein, ob etwas sinnvoll ist. Oder wie Keynes sagte: Anything we can actually do, we can afford.)
Petrostaaten und ein Elektrostaat
China setzt voll auf Elektrifizierung, nachzuhören bei Adam Tooze oder nachzulesen bei Jacobin. Rohstoffgewinnung und Lieferketten, Infrastruktur, Produktionskapazitäten für PV-Module und Batterien sowie Anwendungen wie Elektroautos und Hochgeschwindigkeitszüge wurden gleichzeitig hochgezogen. China buddelt das Zeug aus, um das Zeug zu bauen, das Strom produziert und speichert; baut dann das Zeug und produziert damit den Strom; und für Nachfrage wird auch gleich noch gesorgt. Der Staat buttert rein, bis sich ein Sektor selbst trägt und zieht sich dann zurück.
Geopolitisch mündet das in eine Aufstellung, bei der sich drei Petrostaaten (USA, Saudi-Arabien und Russland) und ein Elektrostaat gegenüberstehen (National Interest). Europa will auch irgendwie Elektro dann mal vielleicht, aber es dabei allen recht machen und der Markt soll irgendwie selber und wäre schön wenn und ups, Solar- und Autoindustrie auf der Intensivstation.
Die fossil-autoritäre Achse
Gleichzeitig wabert ein Faschovibe durch die Welt, der sein Wohlergehen an Fossile gekettet hat. Umgekehrt heisst das aber: Mit jedem Prozent Nachfrageeinbruch nach Gas aus Russland und Öl aus der USA hat diese Achse weniger Hebel, andere Länder zu Zugeständnissen und Akzeptanz ihres gewaltsamen Vorgehens zu zwingen.
Damit hat der Ausbau von Erneuerbaren neben dem ökologischen gleich noch zwei positive Effekte: Wer Wind und Solar ausbaut, ist weniger abhängig von dreckigem Saft und brennbarer Furzluft aus der Tiefe, und in Dreckssaft und Furzluft produzierenden Ländern haben die autoritären Ewiggestrigen weniger gute Karten, weil sie nicht Zukunft schaffen, sondern aufs Spiel setzen – auch ökonomisch. Energie aus Wind und Sonne ist drei vor Durchbruch. Wenn die Nachfrage nach Fossilen sinkt, droht ein wirtschaftlicher Abstieg.
Die autoritäre Schlagseite, die sich bei den von Fossilien verehrten Fossilen im Moment akzentuiert zeigt, ist übrigens nicht neu: Öl macht kriegerische Konflikte generell wahrscheinlicher..
Die fossil-autoritäre Achse gibt’s auch in der Atomindustrie, dargelegt im Dokumentarfilm Die Nuklearfalle – Putins Deals mit dem Westen: Die russische Atomindustrie schaffte mit Investitionen gezielt Abhängigkeit über den ganzen Lebenszyklus von Atomkraftwerken. Rosatom ist der grosse Player in Uranabbau, Uranaufbereitung, Atommeilerbau, Instandhaltung bis zu Entsorgung von Atommüll. 15% des Schweizer Stroms stammten 2024 aus russischen Brennstäben.
Ungelöst: Verschwendung, Rohstoffe, Wachstumsfetisch, Extraktion
Energiesparen und Post-Wachstum sind natürlich auch Wege zum Ziel. Sie lassen sich hervorragend mit dem Ausbau Erneuerbarer kombinieren. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde ist eine, die nicht produziert werden muss.
Suffizienz und Degrowth dürfen aber nicht gegen die Energiewende ausgespielt werden. Klar ist es affig, nun beweisen zu müssen, dass man alle blödsinnigen energieschluckenden Löcher auch elektrisch betreiben kann. Dass Autos ein krasser Luxus sind, der auf Kosten der Weltregionen geht, wo die ganzen Rohstoffe extrahiert werden, stimmt für Benziner genauso wie für Elektroautos. Aber das spricht nicht gegen die Elektrisierung. Wer sich an dieser Unschönheit aufhängt und daraus ableitet, dass nur ein 180°-Lebenswandel der ganzen Bevölkerung hilft, präsentiert keine Lösung, sondern ein Ablenkungsmanöver.
So richtig Ressourcensparsamkeit ist, und so schön es wäre, wenn alle vom benzinbetriebenen Individualgefährt auf den Zug und nicht aufs Elektroindividualgefährt umsteigen würden, und so wichtig es ist, das Fahrrad als das alternative Individualgefährt in Städten zu pushen: Das ändert nichts daran, dass wir die Energiewende vorantreiben müssen und dabei gross anrichten. Energie muss nicht strunzbillig sein und zum Verschwenden einladen; aber das oberste Ziel ist im Moment, den Pakt mit den Arschgeigen der Welt zu brechen.
Nichts ist einfach, aber Wind-Solar-Zukunft ist dreifach netto positiv
Natürlich ist Geopolitik verworrener als gut und böse – China ist ebenso autoritär und verbrennt Fossile à gogo, und in den USA findet auch ein Solarboom statt. Aber dass die Autoritären sich in die Fossilen verbissen haben, macht die Elektrifizierung mit Wind, Sonne und Batterien zur Wahl der Wahl in einer Welt der verhängten Kackscheisse. Die blühende Dreifaltigkeit ist mit dem Siegel «Wiesen voller umherhoppelnden Einhorn-Häschen» ausgezeichnet und besteht aus Ying, Yang und Yalla:
- Saubere Energie
- Autoritären die Nachfrage entziehen
- Unabhängigkeit durch Dezentralisierung
Und so komme ich zum selben Fazit wie Andreas Malm: Jedes Solarpanel, jeder Windpark und jede andere clevere neuartige Art der Stromerzeugug verschiebt die globalen Gewichte zuungusten der Autoritären (gut für Menschen, die dort leben) und zugunsten von uns (gut für uns, die wir nicht mehr auf Import von dreckigen Säften und Gasen angewiesen sind).